Tips für den Angler

Gut vorbereitet, wird der Angelurlaub auch zum Vergnügen. Deshalb an dieser Stelle ein paar Tips von uns. Eine Fanggarantie können auch wir Euch nicht geben, selbst wir hatten magere Jahre erlebt. Aber mit den nötigen Tips steigen natürlich die Chancen. Petri Heil!

Schöne Erfolge

1. Die besten Fanggründe

    1.1 Jagd auf den Revierdorsch
    1.2 Jagd auf Schwarmfische

2.Ausrüstung für das Bootsangeln

    2.1 Rute
    2.2 Rolle
    2.3 Schnur
    2.4 Vorfach
    2.5 Köder
    2.6 Sonstiges

3. Was man beachten sollte


 
     
1. Die besten Fanggründe

1.1 Jagd auf den "Revierdorsch"

Wenn man auf's geradewohl rausfährt und den Köder hinunterläßt, kann es einem passieren, daß die Schnur abläuft und abläuft und einfach kein Grund zu finden ist. Nicht selten sind die Fjorde schon ein paar Meter vom Ufer entfernt über 50 Meter tief! Versucht vorher herauszufinden, was Euch erwartet.
Man kann sich schon an der Beschaffenheit des Ufers ungefähr eine Vorstellung von der Tiefe des Fjordes machen. Fällt das Ufer sanft zum Fjord hin ab, wird es auch im Wasser allmählich tiefer. Hat man dagegen eine Steilwand vor sich, kann es 3 Meter vom Ufer entfernt schon über 30 m tief sein. Hier ist probieren angesagt.

Am besten ist natürlich, wenn man eine Seekarte bekommen kann. In manchen Hütten waren welche vorhanden. Einfach den Hausbesitzer fragen. Auf der Karte
sieht man die eingezeichneten Tiefen. Ich habe einen Abschnitt (nicht im Vorschaubild!) eingekreist. Dort kann man die Zahlen 34 - 10 - 91 erkennen. An dieser Stelle ist ein Berg unter Wasser, man sagt dazu "Schwelle". Nicht umsonst sind da Fische eingezeichnet, die ja gute Fangplätze markieren. Genauso gilt folgende Regel:
Ein Norweger, der am Fjord wohnt ist auf alle Fälle ein Angler!
Sich vorher informieren ist immer die beste Lösung. Und die Norweger helfen einem sehr gern. Es gibt ja Fisch genug für alle.

! So wie es an Land Täler und Berge gibt, gibt es dasselbe unter Wasser!

So, einige Stellen habt Ihr ausfindig gemacht, wo Schwellen unter der Wasseroberfläche sind.
Aber wo kann man mit Fisch rechnen? Dazu sollte man folgendes wissen. Fische "stehen" immer gegen die Strömung. Kommt die Flut, kommt auch frisches Futter mit. Der Fisch wartet im "Windschatten" der Schwellen auf Futter. Jetzt ist die richtige Zeit gekommen.
Eines möchte ich noch erwähnen. Wir haben uns wenig darum gekümmert, wann Ebbe oder wann Flut ist. Wenn man aber an so bestimmten Stellen angeln will, sollte man sich die Zeit einteilen und ab Beginn der Flut angeln. Bei Ebbe ist man nicht so erfolgreich und wenn, dann auf der jeweils anderen Seite der Schwelle.

1.2 Jagd auf Schwarmfische

Interessant und teilweise hektisch wird es, wenn man einen Schwarm entdeckt hat. Das sind dann aber auch die Momente, von denen man Jahre später noch erzählt. Wir haben einmal innerhalb einer Stunde 47 Köhler gefangen!!! Da war die Hölle los. :-)

Wenn man einen fresswilligen Schwarm
entdeckt hat, braucht man nicht auf dem Grund angeln. Meist sind die Fische schon knapp unter der Oberfläche. Jetzt kommt es darauf an, den Pilker so schnell wie möglich unter den Schwarm zu bekommen, denn da befinden sich die großen Dorsche, die auf die Kleineren Jagd machen.
Das ist manchmal gar nicht so einfach, denn ist ein Schwarm erst einmal im Futterrausch, wird alles attackiert, was sich bewegt. In so einem Fall empfiehlt es sich auch, die Anzahl der Beifänger auf 2, höchstens 3 Stück zu reduzieren. Es ist nämlich Schwerstarbeit, wenn 3 große Köhler auf einmal gelandet werden wollen.
 
Wie bemerkt man, ob sich ein Schwarm unter einem befindet?
Man kann ein Echolot einsetzen. Diese Variante ist aber teuer und sagt auch nicht aus, ob der Fisch überhaupt fressen will. Haltet Euch an die Möwen! Wir haben die Erfahrung gemacht, daß eine Möwe nie umsonst auf dem Wasser sitzt. Sieht man eine, nix wie hin und probiert. Das verhilft sehr oft zum Erfolg.
Noch besser ist es, wenn mehrere Möwen an einer Stelle kreisen. Dort steht fast mit Garantie ein Fischschwarm und wird vom Dorsch attackiert. Es gibt Zeiten, meistens in den späten Abendstunden, da "kocht" das Wasser! Auf einer großen Fläche springen die Fische auf ihrer Flucht vor den Dorschen aus dem Wasser, die Möwen stürzen herab.... wer da keine Fische fängt, hat runde Haken! ;-)

2. Ausrüstung fürs Bootsangeln

Wie erwähnt, hatten wir Anfangs Ruten, Rollen und Schnur, wie wir sie auch in Deutschland verwenden. Nach den ersten 2 Jahren hatten wir 3 Rutenbrüche und einiges an gerissenen Schnüren. Ich beschreibe an dieser Stelle eine Ausrüstung, die ausreichend ist für eine Tiefe bis ca. 60m. Man kann natürlich tiefer angeln, kein Problem! Dann muß man, was Pilker und Schnur betrifft, alles etwas größer auslegen.
Aber immer bedenken, daß der Fisch aus größerer Tiefe erstmal eingeholt werden muß. Hat man einen Kapitalen, so kann einige Zeit vergehen, bis man ihn oben hat und ist danach meist völlig fertig!! Wir halten uns immer an Tiefen bis ca. 50 Meter. Und hatten sehr gute Erfolge. Dafür braucht man dann in etwa diese Ausrüstung:

2.1 Die Rute

Als Rute benutze ich eine "Classic Boat". Eine echte Bootsrute von 1,80m Länge und einem Wurfgewicht von 200 - 500g. Nach dem Dilemma der ersten 2 Jahre hatte ich sie nunmehr das 3. Mal dabei und wird es hoffentlich noch einige Jahre tun. Und sie wurde schon arg strapaziert! Sie ist 2teilig, hat eine straffe Spitze und man bekommt solch ein gutes Stück ab ca. 100,- DM.

2.2 Die Rolle

Bei den Rollen muß man sagen, desto größer, desto besser! Viele bevorzugen Multirollen, wer damit zurecht kommt, dem kann man sie empfehlen. Es reicht aber auch eine herkömmliche Stationärrolle. Auf alle Fälle sollte sie 200 m Schnur fassen können. Das Angebot ist sehr reichlich. Am besten, man läßt sich in einem Fachgeschäft beraten. Kostenpunkt: ab ca. 100,- DM

2.3. Die Schnur

Hier gibt es nur eins! Geflochtene Schnur. Sie ist zwar gegenüber monofiler Schnur um einiges teurer, dafür unwahrscheinlich belastbar bei geringerem Durchmesser, und nicht dehnbar. Das ist wichtig, denn kommen sie in 40 m Tiefe auf den Grund, dehnt sich schon die Monofile bzw. wird durch ihre "Starrheit" zu sehr mit der Strömung mitgezogen. Bei geflochtener Schnur und entsprechend schwerem Pilker merken sie auch in größeren Tiefen genau, wie als erstes der Haken aufsetzt, dann die Pilkerspitze und zum Schluß, wie der Pilker umkippt. Das ist vor allem bei grobsteinigem Meeresboden immens wichtig! Sonst könnt Ihr gleich die Pilker und Vorfächer im Zehnerpack kaufen. Preis der Schnur liegt um die 60,-DM für 250m.
Und noch etwas! Wer mit den Metern knauserig ist, spart am falschen Ende! Ein Dorsch von 90 cm und 5 kg zieht erstmal ganz schön Schnur ab. Wenn man bedenkt, daß schon 50 Meter weg sind....

2.4 Das Vorfach und Wirbel

Auch hier gibt es vielerlei Möglichkeiten. Will man auf große Dorsche gehen, empfiehlt sich ein robustes Stahlvorfach ohne jeglichen Schnickschnack. Desto weniger Knoten ein Vorfach hat, desto besser. Trotzdem kann ich auch Vorfächer mit Einhängern für Beifänger empfehlen. Ist man auf einem Schwarm, macht das schon Spaß, wenn man 3 Fische zur gleichen Zeit dran hat. Da kommt Leben in die Rute! Sobald man aber merkt, daß einige große Fische dabei sind, sollte man auf ein einfaches Vorfach zurückgreifen. Also am besten, man deckt sich mit einigen verschiedenen Vorfächern ein.
Das Vorfach ist meist der erste Knackpunkt, wenn es hart auf hart kommt. Es können ja auch einmal Hänger vorkommen, da muß dann das Vorfach einiges aushalten können, sonst ist der schöne Pilker hin. Auch hier empfehle ich, laßt Euch im Fachgeschäft beraten und Finger weg von Sonderangeboten! Das gleiche gilt bei Einhängern und Wirbeln. Robust und nicht zu klein, darauf sollte man achten.

2.5 Der Köder

Da wir uns auf Dorsch, Köhler, Schellfisch und Pollack spezialisiert haben, nehmen wir als Köder Pilker und Gummiwürmer.
links 2 Pilker, rechts 2 Gummiwürmer
So, wie sie auf dem Bild zu sehen sind. Diese kaufen wir immer vor Ort, fast jeder Laden oder Tankstelle hat Angelzubehör im Angebot. Die Gummiwürmer gibt es in verschiedenen Farben. Am besten ausprobieren, welche Farbe besser fängt, das ist von Fjord zu Fjord verschieden. Das ist kein Witz! Das eine Jahr fingen nur die Roten, das nächste Jahr waren es die Grünen! (Schwarze brachten gar nichts ;-))
Will man auf Heilbutt, Steinbutt usw. gehen, so versucht man es am besten mit Fischfetzen. Dafür braucht man dann schwere Bleie und große Haken. Ein Wort noch zu den Pilkern. Sie sollten mindestens 200g schwer sein! Das klingt zwar etwas viel, aber man muß die Strömungsverhältnisse und die Tiefe berücksichtigen. Also alles, was leichter als 150g ist kann man ab einer Tiefe von 20m vergessen.

2.6 Sonstiges

Was braucht man sonst noch für die Jagd auf den Dorsch? Messer, Zange und ein Gaff sollte man noch erwähnen. Unterfangköcher kann man zu Hause lassen, dafür sind die Fische in Norwegen zu groß und nehmen zuviel Platz weg.

Wichtig ist vor allem noch warme Kleidung!
Warme Pullover und Gummistiefel sollten dabei sein. Solch ein wetterfester Overall ist ideal. Auch wenn die Sonne scheint und es 20 Grad Celsius hat, auf dem Fjord ist es meist kühler. Man bedenke, schneebedeckte Berge im Hintergrund, wenn von dort der Wind kommt wird es schnell unangenehm.

Interessant wird es, wenn man mal die Norweger beim "Angeln" beobachten kann. Wir haben erlebt, wie einer eine Autofelge am Bootsrand montiert hatte, fingerdicke Schnur drauf mit ca. 50 Gummiwürmern und einem Mords Blei unten dran. Das ließ er ins Wasser, rauchte eine und rollte nach 10 Minuten die Felge wieder auf. Dabei kamen so an die 20 Fische mit hoch! Das machte er dreimal und fuhr nach Hause. Ja, so kann man auch Fische fangen. Aber das Erlebnis des Anbisses, des Drills und die glückliche Landung des Fisches gehen einem dabei verloren. Wir haben verwundert mit dem Kopf geschüttelt. (Dabei schütteln die Norweger mit dem Kopf, wenn wir unsere Ausrüstung auspacken. ;-))

3. Was man beachten sollte!

Das mitführen von Rettungswesten ist Pflicht! Wir bekamen sie bisher immer von unserem Vermieter, hat man aber ein eigenes Boot dabei, sollte man auf alle Fälle auch an die Rettungswesten denken. Diese Bestimmung wurde 1992 eingeführt, nachdem ein deutscher Urlauber mit seinem Sohn kenterte und beide ertranken.

Das Angeln ist in den Fjorden generell kostenlos. Nur wenn man Lachs und Meerforelle im Fjord angeln will braucht man eine Lizenz.

Auch für die Bootsbenutzung braucht man keinerlei Genehmigungen. Der Vermieter weist einen in den Gebrauch des Motors ein und es kann losgehen. Wer noch nie mit einem Motorboot gefahren ist, sollte trotzdem am Anfang etwas vorsichtig sein, besonders bei Anlegemanövern.

Es hat wenig Sinn, immer mit Vollgas zu fahren. Erstens verbraucht man unnötig viel Benzin und zweitens, man hat ja Urlaub.

Nicht zu weit in die offene See hinausfahren. Immer sehen, daß man innerhalb von einer viertel Stunde Festland erreichen kann. Unwetter kommen öfters ebenso überraschend wie sie auch wieder verschwinden. 1998 sind deutsche Angler bei Stavanger tödlich verunglückt, weil sie zu weit auf hoher See waren und bei einem Unwetter das rettende Ufer nicht mehr erreichen konnten.

Das einzige, was man auf den Fjorden beachten sollte, sind Fischzuchtanlagen und Bojen. Die Bojen markieren ausgelegte Reusen oder Netze. Immer einen Abstand von mindestens hundert Metern halten! Die Norweger sind sehr tolerant und liebenswürdig. Nur in dieser Angelegenheit verstehen sie keinen Spaß. Man sollte bedenken, daß sie die Reusen und Fischzuchtanlagen nicht zum Spaß betreiben, sondern ihre Haupterwerbsquellen sind.

Auf See gilt nicht rechts vor links! Hier hat der Größere und Stärkere Vorfahrt. Also immer schön den großen Schiffen aus dem Weg gehen.

Ich glaube, es ist nicht zuviel verlangt, diese Ratschläge zu beherzigen. Die Fjorde sind groß genug und bieten Platz für alle.

So, das war's fürs erste. Wenn jetzt noch etwas kommt, dann sind es Tips & Anregungen von Euch.