Mein Geburtstag ist eigentlich der 30. September. Da ich an diesem Tag aber schon wieder zu Hause in Sonnefeld sein würde, wurde mein Geburtstag kurzerhand einen Monat vorverlegt. Ich bekam ein neues Kleid und Astrid backte eine köstliche Himbeertorte. Am Vorabend des großen Tages feierte ich mit den Erwachsenen und war auch hier die Hauptperson – in meinem Leben ein absolutes Novum.
Das Tollste aber war der nächste Tag, denn ich durfte mir aussuchen, wen ich einlud. Zehn Kinder kamen und hatten jeweils ein kleines Geschenk für mich dabei.
Als die wunderschöne Zeit in Norwegen zu Ende ging, wollte ich gar nicht mehr nach Hause, obwohl ich mich sehr auf meine Mutter und sogar auf meine beiden wilden Brüder freute. Doch der Gedanke an die Enge in unserer Wohnung, in der täglich auch meine beiden grantelnden Großeltern saßen, bedrückte mich.
Mit einem ganzen Koffer voller neuer Kleidung wurde ich nach Oslo zum Zug gebracht. Es folgte ein tränenreicher Abschied. Doch alle Freunde und Verwandten in Lillestrøm sammelten für mich, so dass ich im darauf folgenden Sommer wieder nach Norwegen eingeladen werden konnte. Meine Mutter brauchte nur den Zug bis zur dänischen Grenze zu bezahlen, für die Restsumme kamen Astrids und Knuts Familien auf.
Als ich zum zweiten Mal Lillestrøm verließ, schwor ich mir, von meinem ersten selbst verdienten Geld wieder nach Norwegen zu kommen. Der Kontakt zu Astrids Familie blieb sehr eng, weil wir uns regelmäßig schrieben. Einmal besuchten mich sogar Onkel Knut und Astrids Bruder Oddmund im hess. Lichtenau, wo ich inzwischen mit meiner Familie lebte.
Die Sehnsucht nach Norwegen blieb über die Jahre unverändert und so hielt ich mein Versprechen. 1962, gerade 18 Jahre alt geworden, finanzierte ich von meinem ersten Gehalt eine Reise nach Lillestrøm. Nur wenige Jahre später, ich war inzwischen verheiratet, wurden meine beiden Töchter geboren. 1975 kamen sie erstmals mit uns nach Norwegen, viele weitere Aufenthalte folgten.
Übrigens, im Laufe der drei Monate lernte ich soviel Norwegisch, dass ich mich gut verständigen konnte. Hin und wieder muss ich meine Sprachkenntnisse ein wenig auffrischen, grundsätzlich sind sie mir jedoch bis heute erhalten geblieben.
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