Es nieselt nun etwas und wir machen unter dichten Fichten eine schöne Rast. Nach 3,5 Stunden ist die Wanderung vorbei. Gelaufen sind wir lediglich 5km, aber auch diese Wanderung war sehr schön. Toni sammelte wieder Steine. Er lief wunderbar mit, ohne einmal zu klagen und hat bestimmt eine Tonne Steine in den Bach befördert. :-)
Kleiner Zwischenfall auf der Heimfahrt. Am Berg suchten wir zwischen den Funklöchern nach Handyempfang und telefonierten nach Hause. Gleich an der Straße weideten niedliche Lämmer, die Toni natürlich füttern und streicheln wollte. Dabei kam er dem Drahtzaun ein wenig zu nah und bekam einen ganz schönen Schlag. Er wusste nicht, was das war, sprang zurück und erst als wir fragten, ob er einen elektrischen Schlag bekam, fing er an zu weinen.
Zum Abendbrot kochte ich eine leckere Fischsuppe und – Schande über uns – mit gekauftem Seelachsfilet! Aber es schmeckte allen sehr gut. Der abendliche Angelausflug brachte auch wieder nichts.
Was war los mit dem Fisch? Ich probierte das Fjordwasser und es schmeckte nur ganz wenig nach Salz. Wir hätten mit dem Wasser Kartoffeln kochen können und müssten nachsalzen. Ist die andauernde Schneeschmelze schuld, dass die Fische wegbleiben? Ist das Wasser an dieser Stelle, ca. 150km vom offenen Meer entfernt, zu süß? Haben wir die falsche Ausrüstung? Denn wenige Meter vom Ufer entfernt findet man keinen Grund mehr. Es ist ja bekannt, dass die Fjorde teilweise über 1000m tief sind.
Heute gingen wir alle beizeiten zu Bett, denn morgen steht eine Bootsfahrt in den Næroyfjord auf dem Plan!
6. Tag Do, 01.06.2000
Ach dieses Wetter. Wagen wir die Bootsfahrt oder nicht? Wir warten. Und siehe da, zum Mittag klärt es auf. Also brechen wir gegen 13:00Uhr auf.
Vom Anlegesteg aus sehen wir die Einfahrt zum Næroyfjord. Sie liegt in „greifbarer Nähe“, jedoch unterschätzen wir wieder einmal die Entfernung bzw. die Geschwindigkeit unseres Bootes. Es dauert sage und schreibe eine Stunde, bis wir den Næroyfjord erreichen.
Aber die Fahrt ist einmalig, uns drängt ja nichts. Atemberaubende Berge zu beiden Seiten, Wasserfälle, Schneefelder und Seehunde auf der Jagd – es gibt soviel zu sehen und staunen, es macht einfach Spaß. Nach 3 Stunden sehen wir das Ende voraus. Wir lasen oft in Reisebeschreibungen, dass im Næroyfjord die Berge immer enger und enger zusammenrücken und kaum das Tageslicht nach unten fällt.
Na, so schlimm war es nun nicht. Wir legen nach 3 Stunden Fahrt an einem geeigneten Platz an und machen Rast. Wir essen etwas, dabei sitzen wir ganz allein auf einer saftigen Wiese, ein rauschender Wasserfall hinter uns und lassen die Seele baumeln.

Jetzt kommt die Fähre und fährt immer weiter auf das gegenüberliegende Ufer zu ohne die Geschwindigkeit zurückzunehmen. Was ist das? Auf einmal verschwindet sie in der Wiese! Das ist des Rätsels Lösung. Wir haben, wie wir später feststellten, nur die Hälfte des Næroyfjords geschafft! Was wir als Flusseinlauf aus der Ferne deuteten, war der Beginn des spannenden Teils dieses Fjordes. Und gerade jetzt fängt es wieder zu regnen an.
Die lange Heimfahrt im Hinterkopf, beschließen wir leider umzukehren. Diese Entscheidung bereuten wir wenig später auch nicht. Auf der Heimfahrt kamen immer mehr Wellen auf, zur Freude von Toni und zur Sorge von Gerhard und Jens.
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